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Krieg und Glocken

Die beiden Weltkriege des vergangenen Jahrhunderts hinterließen ihre Spuren auch in den Kirchen unseres Landes. So wurden auch die Hundshübler Glocken 1917 für Kriegszwecke beschlagnahmt. Der damalige Ortspfarrer Parthey wehrte sich gemeinsam mit dem Kirchenvorstand bis zuletzt, mußte sich schließlich aber den staatlichen Behörden beugen. Da die Abnahme der Glocken ohne Erregung größeren Aufsehens geschehen sollte, wurden die Glocken (157,5 kg, 139 kg & 75,625 kg) in aller Stille abtransportiert und zu Kriegszwecken eingeschmolzen. Die andernorts übliche Praxis des Erhalts der kleinen Glocke fand keine Anwendung, wohl auch wegen der hartnäckigen Verzögerungspraxis des Ortspfarrers.

Pfr. Parthey bemühte sich nach Kriegsende, die Glocken auf einem der sog. Glockenfriedhöfe (z.B. in Hamburg) wieder zu finden. Daneben kämpfte er um eine möglichst hohe Entschädigungssumme, um so die Wiederbeschaffung eines bronzenen Geläuts zu ermöglichen. Doch alle Mühe blieb ohne Erfolg.

1923 wurde ein Eisenhartgussgeläut von der Fa. Schilling & Lattermann / Morgenröte-Rautenkranz in den Turm gehängt. Das Geläut trug die Inschrift: „Ehre sei Gott in der Höhe / Frieden auf Erden / Den Menschen ein Wohlgefallen“ und war gestimmt auf die Tonlagen fis/ais/cis. 2.085.000 Reichsmark mußte die Gemeinde dafür aufbringen. Ein bronzenes Geläut hätte ein Vielfaches gekostet.

Die Wende 1989 ermöglichte neue, bronzene Glocken. Die Hartgußglocken waren verschlissen, der Glockenstuhl dem enormen Gewicht der großen Glocken (insgesamt 1,9 t) nicht länger gewachsen. Am 27. Mai 2012 erklangen die alten Glocken zum letzten Mal. Die neuen sind wieder aus Bronze. Sie wiegen insgesamt 1263 kg. In den Tonlagen g/b/c erfreuen sie seit dem 3. August 2012 die Einwohner, laden zu kirchlichen Veranstaltungen ein und rufen zu den Gebetszeiten früh, mittags und abends.

Die neben der Kirche bzw. vor der Gedenkstätte der Gefallenen aufgestellten Hartgussglocken erinnern uns an die zu Kriegszwecken umgeschmolzenen, alten Glocken und an die Opfer der Kriege. Sie bezeugen nunmehr stumm das langwierige Heilen der Wunden, die Kriege unserem Land geschlagen haben.