Winterzauber
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Geschichtlicher Überblick

Für alteingesessene Stützengrüner ist es noch heute ein Unterschied, ob einer in Ober- oder Unterstützengrün wohnt. Dabei haben beide Ortsteile seit über 50 Jahren ihre Selbständigkeit aufgegeben und bilden ein Gemeinwesen. Die Ortsentwicklung ist mit der Entstehung und der geografischen Lage eng verbunden.

Stützengrün liegt auf einer hügeligen Hochfläche aus Eibenstocker Turmalingranit, zwischen 570 und 680 m über dem Meeresspiegel und an der Grenze zwischen Erzgebirge und Vogtland. Der Ort entstand als Spätsiedlung in Form eines doppelreihigen Waldhufendorfes. Die ersten Häuser siedelten sich am Fuß des Kuhberges in 680 m Höhe an. Es waren 4 Höfe, darunter ein Brauhaus. Diese Ansiedlung war von der Herrschaft Auerbach als "neues Lehn" vergeben worden. Deshalb hieß dieser Ortsteil Neulehn. Das Lehn gehörte damals Balthasar von der Planitz, der seinen Bewohnern 1546 einen Befreiungsbrief ausstellte. Deshalb geht die erste urkundliche Erwähnung Stützengrüns auf das Jahr 1546 zurück. Aus diesem Grunde feierte Stützengrün 1996 sein 450-jähriges Jubiläum.

Das Gründungsjahr Unterstützengrüns, im Weißbachtal gelegen (570 m Höhenlage) ist nicht bekannt. Ein Waffenhammer und ein Mühlgut, die dem Amtsschösser von Schwarzenberg gehörten (1575 erwähnt), bildeten den Anfang. Neulehn dehnt sich sehr bald in Richtung Nord-Ost aus. Es entstand das "Vorderdorf", das heutige Oberstützengrün, an der B169 gelegen, welches man von Aue nach Rodewisch durchfährt. Beide Orte (Oberstützengrün mit Neulehn und Unterstützengrün) waren bis in dieses Jahrhundert hinein selbständige Dörfer, die nur der Name "-stützengrün" verband. Jedes hatte einen eigenen Bürgermeister. Sogar 3 Schulen gab es. 1563 kaufte Kurfürst August von Sachsen den Planitzschen Besitz, so dass Stützengrün ein kurfürstliches Dorf wurde und zum Amt Schwarzenberg gehörte. 1690 erteile der Kurfürst die Genehmigung zum Bau einer Kirche, die 1701 eingeweiht wurde. Aus diesem Grund feierte Stützengrün vom 13.-21. Oktober 2001 die 300. Kirchweih. In der Kirche befinden sich eine 1859 von der Firma Jehmlich gebaute Orgel, welche 1991 restauriert wurde, sowie ein sehr schöner geschnitzter Altar barocker Art. Gleichzeitig mit der Einweihung der Kirche wurde auch der Friedhof in Betrieb genommen.

Das Hammerwerk (1575) und die 1632 erschlossene Eisengrube St. Johannes prägten wesentlich den Charakter des Ortes. Nach dem Niedergang des Bergbaues wurden Rußbrennerei, Beerenhandel und vor allem Bürstenindustrie zu Haupterwerbszweigen der Bevölkerung. Nicht nur die Handwerksbetriebe und der Handel sind gewachsen, auch die Industrie entwickelte sich weiter. 1925 entstand der erste größte Industriebetrieb, die Bürstenfabrik. Weitere Industriebetriebe folgten. Zum Transport von Rohstoffen und zum schnelleren Umschlag der Waren eignete sich die Schmalspurbahn, welche 1893 mit der Eröffnung des Streckenabschnittes Saupersdorf-Wiltzschhaus auch durch Stützengrün fuhr. 1975 wurde die Schmalspurbahn eingestellt. 1991 gründete sich der Verein "Museumsbahn Schönheide/Carlsfeld e.V.". Seit Dezember 1997 verkehrt wieder in regelmäßigen Abständen ein Museumszug zwischen Schönheide und Stützengrün.

1993 entstand auf einem 7 ha großen Gelände an der B169 ein Gewerbegebiet, zunächst mit einem Lebensmittelmarkt und dann ausschließlich mit Produktionsstätten des Handwerks. Durch Stützengrün führen zahlreiche Wanderwege. Die Länge der markierten Wanderwege beträgt ca. 30 km. Über diese sind so reizvolle Ziele zu erreichen, wie der 795 m hohe Kuhberg, die Talsperre Eibenstock und die angrenzenden Nachbargemeinden. Der bedeutendste Wanderweg ist der "Internationale Wanderweg Eisenach-Budapest". Stützengrün verfügt über ein Freibad und einen Skilift. Viele gemütliche Gaststätten laden zum Verweilen ein. Auch ausreichende Übernachtungsmöglichkeiten sind im Ort vorhanden. Stützengrün ist ein Ort, in dem rege Vereinstätigkeit herrscht und alte handwerkliche Traditionen, wie Klöppeln, Schnitzen, Drechseln gepflegt werden. Durch die Gemeindegebietsreform wurden die Orte Lichtenau 1996 und Hundshübel 1999 Ortsteile von Stützengrün. Im gesamten Gemeindegebiet lebten am 1. Dezember 2013 3998 Einwohner.

Stützengrün und sein Patrizierhaus

Urkundlich erstmals erwähnt wurde Stützengrün 1546 im Befreiungsbrief von Balthasar Friedrich Edler von der Planitz, dem Sohn von Hans Edler von der Planitz, in dem freie Hutung, niedere Gerichtsbarkeit sowie Brau- und Schankerlaubnis gewährt, aber auch Pflichten wie Dienste auf den Feldern des Grundherrn und bei dessen Jagd sowie jährliche pachtartige Zahlungen auferlegt wurden. Zuvor bereits gab es einige Gehöfte samt einem Brauhaus am Fuße des Kuhbergs, die von der Herrschaft in Auerbach als „Neues Lehen“ vergeben wurden und noch heute den Ortsnamen Neulehn besitzen. Aus Neulehn entstand dann Oberstützengrün. Der Ortsteil Unterstützengrün war noch bis in die 1950er Jahre als Ortschaft mit eigenem Bürgermeister selbständig. Hier datiert die erste Erwähnung in einer Besitzurkunde über ein Mühlengut und einen Waffenhammer des Amtsschössers von Schwarzenberg von 1575.
1563 wurde Stützengrün durch Ankauf von August von Sachsen kurfürstliches Dorf und gehörte zum Amt Schwarzenberg. 1632 wurde eine Eisengrube erschlossen, die lange Zeit den Charakter des Ortes prägte. Die Bürstenfabrikation entstand um 1830, nachdem der Bergbau zum Erliegen kam. 1712 wurden in Stützengrün zum ersten Mal Kartoffeln angebaut

Oberstützengrün

Am 24. Oktober 1525 ging die Herrschaft Auerbach, darin waren die Stadt Auerbach und etwa 15 Ortschaften enthalten, in den Besitz des Adelsgeschlechtes derer von der Planitz über. 10 Jahre danach starb Hans Edler von der Planitz, und das Gebiet wurde nun zusammen mit der Herrschaft Göltzsch von Balthasar Friedrich, dem Sohn von Hans von der Planitz, übernommen. Im Jahre 1542 teilten sich die drei Söhne des Hans von der Planitz in das Gebiet der Herrschaft Auerbach. Balthasar Friedrich erhielt die Herrschaft Göltzsch. Zu ihr gehörten Rothenkirchen und die an hohen Wäldern so reiche, sich bis zur Zwickauer Mulde hinauf erstreckende Gebietsfläche. Mit der Zeit kam es zur Ansiedlung in dieser Wildnis. Die „Planitzen“, so wurden die dort lebenden Menschen genannt, drangen in die Wälder vor, machten sie urbar (noch heute heißt ein Talstück „die Reuth“ (von roden)) und errichteten anfänglich vier Höfe am Fuße des Kuhbergs. Nach und nach kamen weitere Anwesen, wohl auch ein Brauhaus hinzu. Dieses von Auerbach aus gegründete „Neue Lehen“, war zweifellos der Grundstock für den heutigen Ortsteil Neulehn. Im Befreiungsbrief vom 20. Januar 1546 räumte Balthasar Friedrich den Höfen gewisse Rechte ein und erkannte sie als geordnete Dorfgemeinschaft zu Stützengrün an, die er zu schützen versprach.
Neben dieser Theorie von Pfarrer Obenaus gibt es noch eine weitere. So meint Martin Leistner in Die Bergbaulandschaft von Schneeberg und Eibenstock, das Vorderdorf (Oberstützengrün) sei der älteste Teil von Stützengrün, also nicht wie Obenaus, Neulehn. Siegfried Sieber schreibt: „Stützengrün ist als doppelreihiges Waldhufendorf entstanden. Von seinen Gütern ziehen nach beiden Seiten der Straße die dazugehörigen Hufenstreifen bis hin zur Höhe oder zum Wald.“
Die genannten Chronisten begründen ihre Ansicht folgendermaßen: Das Vorderdorf ist eine geschlossene, nach Plan angelegte Waldhufensiedlung, wie sie im Erzgebirge in größerer Anzahl entstanden sind. 1563 gelangte der Ort zusammen mit Schönheide und Neustädtel in den Grundbesitz des sächsischen Kurfürsten August und wurde somit ein Teil des Amtsbezirkes Schwarzenberg. Im Jahre 1687 kam es zur Erneuerung des Befreiungsbriefes von 1546 durch Kurfürst Johann Georg III. Dieser Brief bestätigte alte Rechte und Freiheiten.                         (Quelle: Wikipedia)

Das Martinsche Haus, das Vorstandshaus, das Patrizierhaus, es gruuße Haus…

…all das sind der Überlieferung nach Namen, unter denen der repräsentative Barockbau mit süddeutschen Einschlag im Ortszentrum bei der Bevölkerung und darüber hinaus bekannt war.  Die Geschichte des Gebäudes liegt weitgehend im Dunkel. Erbaut soll es um die Zeit von 1650 – 1680 worden sein. Vermutlich hat ein reicher Tuchhändler es als Geschäfts- und Lagerhaus errichten lassen.
Überliefert ist auch, dass im benachbarten Lichtenau ein begüterter Einwohner, wohl ein Landfuhrmann, welcher mit dem Besitzer des Patrizierhauses verwandt gewesen sei, ein Haus errichten ließ. Es sollte noch größer und prächtiger sein als das Patrizierhaus und 99 Fenster haben (Das Patrizierhaus hatte etwas weniger). Die Anzahl der Fenster mag seinerzeit wohl ein Zeichen von Wohlstand und Luxus gewesen sein. Warum aber gerade 99 Fenster? Nun ab dem 100-sten Fenster wäre wohl eine Steuer fällig geworden, welche der findige Kaufmann umgehen wollte. Das Gebäude brannte später ab, sodass man diese Geschichte heute nicht mehr nachprüfen kann. Auf den Grundmauern wurde ein Bauerngut aufgebaut, welches noch heute in Lichtenau steht.
Auszüge aus der Literatur
Quelle: Werte der deutschen Heimat – Die Bergbaulandschaft von Schneeberg und Eibenstock (Dr. Siegfried Sieber und Martin Leistner)
Am Hauptplatz in der Nähe der Kirche fällt ein großes zweigeschossiges Barockhaus auf. In der Art der Schneeberger Patrizierhäuser ist die Fassade durch einen vorgezogenen Mittelrisalit, der ins gaupenbesetzte Mansardendachhineinreicht, gegliedert. Ein breites Korbbogenportal führt ins weitläufig angelegte Treppenhaus und zu den kunstvoll eingewölbten Räumen im Erdgeschoss. Die Einheimischen nennen das Gebäude „Großes Haus“, weil es an Höhe Geräumigkeit und in der Anzahl der Fenster die Gutsgebäude und Wohnhäuser rundum weit übertrifft. Da Stützengrün schon frühzeitig der Wohnplatz für Spitzenhändler, Rußbuttenmänner und Bürstenhändler gewesen ist, kann man wohl annehmen, dass dieses unter Denkmalschutz stehende Gebäude einer begüterten Händlerfamilie als Wohn – und Lagerhaus gedient hat. Vielleicht gehörte es dem reichen Spitzenhändler Michael Herold (1656 – 1726), dessen Grabplatte mit langer aufschlussreicher Inschrift erst im Spätsommer 1964 vor dem seitlichen Eingang zur Kirche unter einem Weg bloßgelegt wurde…

Quelle: Erbauungs-Blatt Nr. 31 (zehnter Jahrgang) Ansbach 4. Mai 1845
„Der frommen Väter Segen bauet den Kindern Häuser“
Zur Zeit der Theuerung in den Jahren 1771 und 1772 lebten in dem sächsischen Erzgebirge der frommen Menschen viele, welche ihr Brod gern und so reichlich sie konnten, mit den armen, hungernden Brüdern theilten…
Zu derselben Zeit speiste auch, in der ärmsten gegend des sächsischen Erzgebirges, in Stützengrün, ein frommer gottesfürchtiger Kaufmann, namens Martin, täglich einen großen Haufen armer vom Hunger ganz entkräfteter Menschen, mit kräftigem Reis und Fleischkost in seinem Garten. Ohne jenen rettenden Engel wären die Ärmsten verhungert. Denn dort ist ja, wenn auch sonst nirgends Hungersnoth ist, das Elend so groß!O ihr frommen guten Engländer, die ihr über die ganze Erde erbarmend und segnend wirket, könnte ich doch eure Augen einmal mit meiner schwachen Stimme auf diese gegend hinlenken, besonders auf das arme wilde Thal bei Stützengrün, welches in der dortigen gegend „das Loch“ heißt. Es würde euch wohl erbarmen, wenn ihr dort die armen nackten oder zerlumpten, von Hunger bleichen Menschen sähet, noch mehr aber, wenn ihr bemerkt, wie so ganz verwildert meist das Herz dieser Armen ist…
Und jener Kaufmann Martin in Stützengrün und ebenso der wirklich dem Anscheine nach oft über seine Kräfte austheilende Kaufmann Zill in Hohenstein…wurden seit der theuren Zeit auffallend reicher. Wo ehedem der alte Zill und der alte Martin kleine Häuser hatten, da haben jetzt ihre Nachkommen große, schöne, prächtige Häuser; und so oft ich besonders an dem Hause des jetzigen Kaufmanns Martin in Stützengrün, das an Größe und Schönheit einem Grafen-Schlosse gleicht, vorbeigehe, muss ich denken: „Der frommen Väter Segen bauet den Kindern Häuser“, und erhält sie ihnen auch, wenn sie selber wandeln in den Fußtapfen ihrer frommen Väter.  (Die Erzählung ist von dem Professor Gotthilf Heinrich Schubert in München)
Eine Beschreibung von Stützengrün von Anfang des 19. Jhd. berichtet folgendes:
„Das Martin´sche Haus bei der Kirche gehört zu den schönsten des Hochgebirgs; überhaupt giebt es hier viele hübsche Häuschen, doch noch mehr Armuth…“

Quelle: Landesverein Sächsischer Heimatschutz Dresden, Hefte 7-9, Band XI,  Dresden 1922

Ein altes Patrizierhaus
Auch in Sachsen stößt der Wanderlustige gar nicht so selten auf wenig bekannte Bauten die einer näheren Betrachtung wert sind. Alte Herrensitze und Bauerngehöfte, Dorfkirchen, Rathäuser und Kleinhausbauten sind oft geschildert und dargestellt worden. Ein Patrizierhaus, wie das in der Abbildung gezeigte findet man in Sachsen und vor allem auf dem Lande oder im Gebirge selten. Die reicheren Bürger, die in der Lage waren, sich vornehme Häuser zu bauen, suchten den Schutz der Stadt und das Zusammenleben in ihr; Patrizierhäuser auf dem Lande oder in kleinen Orten kannte man nicht. Umso überraschte ist man, in der kleinen Gemeinde Stützengrün (im Vogtland!!!) ein so behäbiges, auf Wohlstand und Geschmack hinweisendes Haus zu finden. Der Bauherr hat zweifellos nicht irgendeine zufällige Planung durch einen Unternehmer zur Ausführung bringen lassen, er hat bewusst Form und Anlage seines Hauses geprüft und sich seinen Baumeister gesucht. Die sicherlich nicht in jeder Einzelheit fein durchgebildeten Formen des Hauses, die fast auf süddeutschen Einfluss hinweisen, lassen die Gesamtanlage doch außerordentlich wirkungsvoll erscheinen. Die horizontale Gliederung, die gleichmäßige Verteilung der Fenster und die Betonung der Achsen durch gleich große Dachgeschossfenster, die Durchführung der Achsenbeziehungen, die Hervorhebung des Einganges durch einen kleinen Giebelvorbau, die schmucken Fensterläden, die Putzgliederung und die starke Schattenwirkung des weit vorspringenden Gesimses sind die Bestandteile dieses ausgezeichneten Werkes.
Dazu betont die Besonderheit des Hauses noch das in dieser Gegend sonst nicht heimische Mansardendach, das aber zu diesem breitgelagerten Hause mit seiner süddeutschen barocken Form gehört. Möge die Veröffentlichung die Freude am Finden heimischer Kunstwerke fördern. (Dr. Conert)

Der Erhalt dieses einzigartigen Bauwerkes wird in den kommenden Jahren eine zentrale Herausforderung für die Gemeinde Stützengrün sein. Ohne die Mithilfe der ortsgeschichtlich, kultur- und bauhistorisch Interessierten wird diese nicht zu meistern sein. Wer sich gern einbringen möchte – etwa im Rahmen eines Fördervereins - ist herzlich gebeten, sich persönlich, unter folgender Mailadresse, oder postalisch beim Bürgermeistert der Gemeinde Stützengrün zu melden:

Volkmar Viehweg
Hübelstraße 12
08328 Stützengrün
Mail: v.viehweg(at)stuetzengruen.de
Tel:  037462 654 11