Nadlerhaus

Das Nadlerhaus in Hundshübel

1536 gab es in Hundshübel zehn Bauern. Gestattet war ihnen ihr Vieh auf den herrschaftlichen Wiesen weiden zu lassen. Der Weg, auf dem die Tiere des Dorfes auf die Weiden getrieben wurden, der ist heute noch vorhanden. Und noch immer heißt er Viechzig, was soviel bedeuten könnte wie: Das Vieh zieht auf die Weide. Das Nadlerhaus, an der Viechzig gelegen, eines der ältesten Gebäude des Ortes, ein Tagelöhnerhaus, wurde um 1750 errichtet. Wer das Haus baute und unter welchen Umständen es gebaut wurde, bleibt ungeklärt. Konnte ein Tagelöhner mit geringem Einkommen unter damaligen Verhältnissen ein Haus errichten?

Wurde mit gegenseitiger Hilfe gebaut? Auf diese Fragen gibt es keine Antwort. Außer einigen kleinen baulichen Veränderungen im Jahr 1872, blieb es im Originalzustand erhalten. Erhalten blieb auch die ursprüngliche Fensteranordnung im Massivbau aus Feldsteinen und die Glattputzfaschen an den Gebäudeecken und den Fenstern. Die Nordseite mit drei Fenstern im massiven Erdgeschoss und dem verschlagenen Giebel, wie eh und je, mit dem Blick in das Tal gerichtet. Echt sind noch der mit großen Platten ausgelegte Weg zum Hauseingang, die hölzernen Dachrinnen sowie der kleine und große Wassertrog und der angebaute Ziegenstall.

Das Anwesen ist mit Streichstangen abgegrenzt. Wenn man das Gebäude betritt, wird das geschätzte Alter sichtbar. Wie zur Entstehungszeit bilden große Steinplatten den Fußboden im Hausflur. Der Hausbrunnen mit der Handpumpe und die Räucherkammer sind erhalten geblieben. Rechts vom Hausflur befindet sich die Küche mit Schlafplatz, dem alten Schrank und einer Deckenhöhe von 1,85m, daneben ein weiterer Raum als Schlafstätte eingerichtet. Auf der linken Seite ein großer Raum, der Ende des 19. Jahrhunderts als Stickmaschinenstube genutzt wurde. 1945/46 waren ausgewiesene Deutsche aus den ehemaligen Ostgebieten dort untergebracht.

Frau Mädler, geb. Nadler, war in vierter Generation im Besitz des Anwesens. Ihr Vorfahre, Engelbert Nadler, wurde 1862 in Böhmen geboren und ist später nach Sachsen eingewandert. Weitere Besitzverhältnisse sind nicht bekannt. Nach dem Tode von Frau Mädler im Jahre 1984 war das Gebäude dem Verfall ausgesetzt. Im Jahre 1988 hat die Gemeinde Hundshübel den Besitz von Fritz Mädler käuflich erworben. 1990 wurde von den örtlichen Organen und interessierten Bürgern des Ortes festgelegt, eine Grundinstandsetzung durchzuführen.

Das Dach wurde mit Holzschindeln versehen, die Fenstersohlbänke und der Sockel wurden mit Hundshübler Granit ergänzt, die Fenster erneuert und die Stallung zur Sanitäranlage umgebaut. Mit finanzieller Unterstützung des Landes Sachsen und der tatkräftigen Unterstützung von Karl-Heinz Roßner mit seinem Skiclub und Einwohnern des Ortes ist es gelungen, ein Heimatmuseum zu schaffen. Die rechte Seite des Gebäudes, die Heimatstube, bringt das einfache Leben der Vorfahren bis in unsere Zeit zum Ausdruck. Auf der linken Seite steht ein Raum mit ca. 25 Plätzen für Feierlichkeiten und das Vereinsleben zur Verfügung.

Der Verwalter des bereits seit 1886 denkmalgeschützten Gebäudes, Herr Wolfgang Seidel, organisiert Führungen mit Erläuterungen zur Geschichte des Gebäudes nach Voranmeldung. Bei all den Betrachtungen dürfen wir nicht vergessen dass hunderte von Generationen durch ihre Arbeit, ihren Fleiß dazu beigetragen haben, die Lebensbedingungen ständig zu verbessern, bis zum heutigen Stand.


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