29. Lesecafé im Bürgerhaus am 29. Juni 2017
javascript

Geschichtlicher Überblick

Für alteingesessene Stützengrüner ist es noch heute ein Unterschied, ob einer in Ober- oder Unterstützengrün wohnt. Dabei haben beide Ortsteile seit über 50 Jahren ihre Selbständigkeit aufgegeben und bilden ein Gemeinwesen. Die Ortsentwicklung ist mit der Entstehung und der geografischen Lage eng verbunden.

Stützengrün liegt auf einer hügeligen Hochfläche aus Eibenstocker Turmalingranit, zwischen 570 und 680 m über dem Meeresspiegel und an der Grenze zwischen Erzgebirge und Vogtland. Der Ort entstand als Spätsiedlung in Form eines doppelreihigen Waldhufendorfes. Die ersten Häuser siedelten sich am Fuß des Kuhberges in 680 m Höhe an. Es waren 4 Höfe, darunter ein Brauhaus. Diese Ansiedlung war von der Herrschaft Auerbach als "neues Lehn" vergeben worden. Deshalb hieß dieser Ortsteil Neulehn. Das Lehn gehörte damals Balthasar von der Planitz, der seinen Bewohnern 1546 einen Befreiungsbrief ausstellte. Deshalb geht die erste urkundliche Erwähnung Stützengrüns auf das Jahr 1546 zurück. Aus diesem Grunde feierte Stützengrün 1996 sein 450-jähriges Jubiläum.

Das Gründungsjahr Unterstützengrüns, im Weißbachtal gelegen (570 m Höhenlage) ist nicht bekannt. Ein Waffenhammer und ein Mühlgut, die dem Amtsschösser von Schwarzenberg gehörten (1575 erwähnt), bildeten den Anfang. Neulehn dehnt sich sehr bald in Richtung Nord-Ost aus. Es entstand das "Vorderdorf", das heutige Oberstützengrün, an der B169 gelegen, welches man von Aue nach Rodewisch durchfährt. Beide Orte (Oberstützengrün mit Neulehn und Unterstützengrün) waren bis in dieses Jahrhundert hinein selbständige Dörfer, die nur der Name "-stützengrün" verband. Jedes hatte einen eigenen Bürgermeister. Sogar 3 Schulen gab es. 1563 kaufte Kurfürst August von Sachsen den Planitzschen Besitz, so dass Stützengrün ein kurfürstliches Dorf wurde und zum Amt Schwarzenberg gehörte. 1690 erteile der Kurfürst die Genehmigung zum Bau einer Kirche, die 1701 eingeweiht wurde. Aus diesem Grund feierte Stützengrün vom 13.-21. Oktober 2001 die 300. Kirchweih. In der Kirche befinden sich eine 1859 von der Firma Jehmlich gebaute Orgel, welche 1991 restauriert wurde, sowie ein sehr schöner geschnitzter Altar barocker Art. Gleichzeitig mit der Einweihung der Kirche wurde auch der Friedhof in Betrieb genommen.

Das Hammerwerk (1575) und die 1632 erschlossene Eisengrube St. Johannes prägten wesentlich den Charakter des Ortes. Nach dem Niedergang des Bergbaues wurden Rußbrennerei, Beerenhandel und vor allem Bürstenindustrie zu Haupterwerbszweigen der Bevölkerung. Nicht nur die Handwerksbetriebe und der Handel sind gewachsen, auch die Industrie entwickelte sich weiter. 1925 entstand der erste größte Industriebetrieb, die Bürstenfabrik. Weitere Industriebetriebe folgten. Zum Transport von Rohstoffen und zum schnelleren Umschlag der Waren eignete sich die Schmalspurbahn, welche 1893 mit der Eröffnung des Streckenabschnittes Saupersdorf-Wiltzschhaus auch durch Stützengrün fuhr. 1975 wurde die Schmalspurbahn eingestellt. 1991 gründete sich der Verein "Museumsbahn Schönheide/Carlsfeld e.V.". Seit Dezember 1997 verkehrt wieder in regelmäßigen Abständen ein Museumszug zwischen Schönheide und Stützengrün.

1993 entstand auf einem 7 ha großen Gelände an der B169 ein Gewerbegebiet, zunächst mit einem Lebensmittelmarkt und dann ausschließlich mit Produktionsstätten des Handwerks. Durch Stützengrün führen zahlreiche Wanderwege. Die Länge der markierten Wanderwege beträgt ca. 30 km. Über diese sind so reizvolle Ziele zu erreichen, wie der 795 m hohe Kuhberg, die Talsperre Eibenstock und die angrenzenden Nachbargemeinden. Der bedeutendste Wanderweg ist der "Internationale Wanderweg Eisenach-Budapest". Stützengrün verfügt über ein Freibad und einen Skilift. Viele gemütliche Gaststätten laden zum Verweilen ein. Auch ausreichende Übernachtungsmöglichkeiten sind im Ort vorhanden. Stützengrün ist ein Ort, in dem rege Vereinstätigkeit herrscht und alte handwerkliche Traditionen, wie Klöppeln, Schnitzen, Drechseln gepflegt werden. Durch die Gemeindegebietsreform wurden die Orte Lichtenau 1996 und Hundshübel 1999 Ortsteile von Stützengrün. Im gesamten Gemeindegebiet lebten am 1. Dezember 2013 3998 Einwohner.