28. Hutzenohmd
Herbstzeit ist Wanderzeit
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Das "Feuerlöschbad" in Unterstützengrün

Die Geschichte des Freibades in Unterstützengrün ist eng mit der Feuerwehr dieses einstmals eigenständigen Ortes und heutigen Ortsteiles von Stützengrün verbunden.

Um das Jahr 1917 herum hat sich dem Betrachter noch folgendes Bild geboten: Einige wenige Häuser im Hintergrund. Ein sanftes Tal und ein vielgenutzter Weg "hinter zum Kreuz" und dann weiter nach Schönheide, Schönheiderhammer oder Eibenstock "Unterer Bahnhof".

Um das Jahr 1936 sah es in Unterstützengrün so aus. Links zu sehen noch das so genannte "Helmschusterhaus", welches in späteren Jahren ein Raub der Flammen wurde. Die umliegenden Teiche waren für die flächendeckende Löschwasserversorgung völlig unzureichend. Zur Verbesserung der Löschwasserversorgung im Unterdorf war im Maßnahmenplan 1963 vorgesehen, einen Feuerlöschteich zu errichten. Schon damals hat es wohl mehr oder weniger konkrete Pläne zum Bau eines Freibades gegeben - bereits damals kontrovers diskutiert. Braucht man ein Freibad? Wer soll das bezahlen? Sind andere Sachen nicht viel wichtiger?

Uns Stützengrünern wird ja eine gewisse "Schlitzohrigkeit" nachgesagt. Warum also nicht den Bau eines Feuerlöschteiches mit der Nutzung als Freibad verbinden? Gesagt - getan. So ging man wohl im Jahr 1968 an die Umsetzung dieses verwegenen Vorhabens. Ein gutes Beispiel dafür, dass mit Kreativität und Einigkeit zwischen Gemeindeverwaltung und engagierten Bürgern durchaus etwas bewegt werden kann. Dazu ein recht nüchternes Zitat aus der Feuerwehrchronik zu diesem Geschehen: "Die Löschwasserschwierigkeiten im hinteren Ortsteil führten zu dem Entschluss, am so genannten "Kamm" eine Saugstelle zu errichten. Dazu musste der Bachlauf verändert werden. Da hierfür keine Ton- oder Zementrohre verwendet werden konnten, stellten wir einen Antrag bei der SAG-Wismut für 6 Meter Pressluftleitung. Mit großem Fleiß vieler Bürger und vor allem der Kameraden der FFW wurde aus dieser Saugstelle unser schönes Freibad mit Gaststätte.

In 4 Jahren wurde dieses Objekt ohne Baubetrieb in Feierabendarbeit geschaffen. Besonders erwähnen möchten wir die Kameraden Wehrleiter Herbert Tröger und Siegfried Tröger als Hauptinitiatoren.

Allein 448 Festmeter Holz wurde im Winter geschlagen. Das ist beachtlich!

Der Vorsitzende des damaligen Rates des Kreises überbrachte eine Urkunde, deren Inhalt bemerkenswert ist. Dort spricht man den Kameraden der FFW für ausgezeichnete Leistungen Dank und Anerkennung für den Bau eines "Feuerlöschteiches" aus - verbunden mit einer Zuwendung von 1.000 Mark der DDR. Ein Bad wurde eingeweiht - welches offiziell aber lediglich ein Feuerlöschteich war.

Machen wir einen Sprung in der Zeit. 1989 politische Wende und in den Folgejahren flossen viele Millionen Fördermittel für die blühenden Landschaften, die im Osten entstehen sollten. Vielerorts wuchsen Spaß- und Erlebnisbäder aus dem Boden, von denen die meisten heute schon wieder verfallen, weil sie nicht rentabel sind und es nie waren. Auch in Stützengrün trug man sich eine Zeitlang mit derartigen Gedanken. Die Sanierungs- und Umbaumaßnahmen hätten einen geplanten Gesamtumfang von 5,5 Mio. DM umfasst. Gescheitert ist das Projekt aber nach der Aktenlage letztendlich nicht an den Finanzen allein sondern vielmehr an den schwierigen Rahmenbedingungen.

  • Lage in der Gewässerschutzzone
  • Vorstau und Talsperre in unmittelbarer Nähe
  • unzureichender Frischwasserzufluss u.s.w.

Machen wir einen weiteren Zeitsprung. Heute stellt sich die Situation unseres Freibades noch ein wenig brisanter dar:

  • die mikrobiologischen Befunde der Wasserqualität lassen zu wünschen übrig
  • die Pumpenanlage sind unzureichend dimensioniert und dringend erneuerungsbedürftig
  • das Becken ist undicht und verliert Wasser (Rutsche und Sprungturm können nicht genutzt werden)

Was ist nun die aktuelle Sachlage - welche Handlungsoptionen haben wir?

  • bislang schlägt das Bad pro Jahr mit etwa 40 TEUR an laufenden Kosten zu Buche
  • dem stehen ca. 5 TEUR, in guten Sommern etwa 8 TEUR, an Einnahmen entgegen

Man muss kein Finanzexperte sein, um einschätzen zu können, dass wir jedes Jahr auf 32 bis 35 TEUR sitzen bleiben, die aus dem Gemeindesäckel finanziert werden müssen. Das ging all die Jahre gut, Verwaltung und Gemeinderat haben das Freibad als ein Stück Lebensqualität gesehen, dass es zu erhalten gilt. Und daran hat sich aktuell auch grundsätzlich nichts geändert. Darüber hinaus ist das Wasserreservoir als Löschwasserreserve unabdingbar.

Der Betrieb als Freibad ist jedoch an bestimmte Auflagen geknüpft und genau das ist das Problem. Wir sind aufgefordert, einen Stufenplan vorzulegen, der eine schrittweise Sanierung und Behebung der aufgezeigten Mängel enthält. Es liegen derzeit Schätzungen vor, in welcher Größenordnung dafür Kosten einzuplanen sind - zwischen 2 und 5 Mio. EUR würden vermutlich ausreichen. Fördermittel sind für Freibäder im ländlichen Raum derzeit nicht in Sicht.

Im Jahr 2017 wird die Badesaison ohnehin ausfallen müssen, da die Maßnahmen zur Hochwasserschadensbeseitigung voraussichtlich in diesem Sommer vorgenommen werden müssen. Über die Saison 2018 kann noch nicht befunden werden. Wir sind derzeit nicht untätig. Mit den Bürgermeistern der Umgebung, die ebenfalls Freibäder zu modernisieren und zu erhalten haben sowie unseren Landtagsabgeordneten haben wir am 1. März 2017 ein Krisentreffen in Stützengrün anberaumt. Wir versuchen gemeinsam Lösungen zu finden, denken aber auch darüber nach, den Status als Freibad aufzugeben und eine "Badestelle" daraus zu machen - also zurück zu den Wurzeln zu gehen und den Zustand wieder herzustellen, der mehr als 20 Jahre für Einheimische und Gäste aus der Umgebung ein gutes Angebot war - ein naturbelassenes Badegewässer, eingebettet in den schönen Erzgebirgswald mit unmittelbarem Zugang zu Wander- und Radrouten. Wir halten Sie auf dem aktuellen Stand, was sich hier in nächster Zeit tun wird.